Warum aus meinem Jahresrückblick nichts geworden ist – Freiweg
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Warum aus meinem Jahresrückblick nichts geworden ist

Ich sitze in der Fähre von Mali Losinj nach Rijeka. Es ist der 31. Dezember 2018, 6.30 Uhr und es fühlt sich an, als ob ich aus der Zeit gefallen wäre.

Wo sich im Sommer fröhlich plaudernd zahlreiche Touristen unter Einheimische mischen, sind es heute gerade einmal zehn Personen, die sich in aller Früh auf den Weg gemacht haben. Vier Stunden dauert die Fahrt bis Rijeka, Zeit genug, um auf das vergangene Jahr zurückzublicken.

Rückblicke haben jetzt Saison. Überall poppen sie auf. Seit Tagen denke ich mir, ich sollte auch so etwas schreiben. Aber mein Business ist noch nicht bei „six figures“ angekommen, mein Zeitmanagement verbesserungswürdig und die Zahl meiner Kunden überschaubar.

Worüber soll ich also schreiben? Im ersten Jahr Selbständigkeit hat man doch etwas erlebt, oder? Inhaltlich muss es perfekt sein, mit einer Bombenüberschrift versteht sich und knackig formuliert sowieso.

Aber mit jedem Versuch werde ich unzufriedener und deshalb ist die Seite bis jetzt leer geblieben. Plötzlich wird mir klar, was mein Problem und vielleicht auch das Thema ist, über das es sich zu schreiben lohnt.

Das Problem hat einen Namen: Analyse Paralyse.

Analyse Paralyse ist eine äußerst perfide Form von Prokrastination, auch Aufschieberitis genannt. Ihre Wurzel ist nicht die Faulheit, sondern übertriebener Perfektionismus, mit dem wir versuchen, Misserfolge, Enttäuschungen oder negative Reaktionen zu vermeiden.

Wenn wir Für und Wider abwägen, alles bis ins Detail planen und jedes Risiko kalkulieren wollen, dann ist das nicht unbedingt schlecht, aber dennoch gefährlich, wenn es in einer Endlosschleife endet und die Umsetzung deshalb in weite Ferne rückt.

Bei meinem Versuch, auf das vergangene Jahr zurückzublicken hat die Analyse Paralyse gnadenlos zugeschlagen.

Aussteigen aus dem Teufelskreis

Wo ist die Grenze zwischen sinnvoller Analyse, die eine Idee, ein Projekt weiterbringt, und unterschwelliger Angst oder Unsicherheit? Wenn wir uns das nicht bewusst machen, gelingt es nicht diese unangenehme Pattsituation zu überwinden. 

Rückblickend haben sich ein paar Einstellungen als hilfreich erwiesen:

Mach es oder vergiß es.

Wir (insbesondere Frauen) glauben, dass etwas nur 100 % Erfolg haben kann, wenn wir uns das gesamte erforderliche Wissen dafür angeeignet, alle Fakten am Tisch sind und wir sämtliche Risiken einkalkuliert haben. Doch diesen Punkt erreichen wir nie. Deshalb brauchen Analysephasen Deadlines und danach wird auf Basis der vorhanden Fakten entschieden.

Nichts ist in Stein gemeißelt.

Starte mit dem, was du hast, aber starte. Sei flexibel, Pläne lassen sich bei Bedarf adaptieren.

Probieren geht über Studieren.

Manches weiß man einfach nicht, bevor man es nicht ausprobiert hat. Gestatte dir einen Probelauf, bewerte ihn. Dann weißt du mehr. Bei Bedarf gehe zurück an den Start.

Mach es trotzdem.

Manchmal scheitern große Projekte bereits in der Anfangsphase, weil wir uns mit kleinen Details verzetteln, die zu diesem Zeitpunkt nicht relevant sind oder von denen wir nicht wissen, ob sie es jemals werden.

Wovor hast du Angst?

Wie sieht es mit deinen emotionalen Widerständen aus? Was möchtest du unbedingt vermeiden? Wovor fürchtest du dich? 

Wen Menschen gegen Phobien kämpfen, gewöhnen sie sich in kleinen Dosen daran. Das ist bei Analyse Paralyse nicht anders. Auch hier hilft, einen ersten überschaubaren Schritt zu setzen. Du könntest zumindest einen Absatz schreiben, einen Kunden suchen oder ein Produkt entwickeln.

Damit kommst du ins Tun, hast einen Erfolg und stellst dich deiner Angst. Wenn du dich dann noch belohnst, bist du auf dem richtigen Weg.

Such dir einen Coach.

Wenn du bei großen Entscheidungen feststeckst, kann ein Coach wieder Dynamik in den Prozeß bringen und rasch Klarheit herbeiführen. 

2018 habe ich buchstäblich alles selbst und vieles zum ersten Mal gemacht. So manches angepeilte Ziel habe ich klar verfehlt, aber doch enorm viel gelernt.

Was ich damit sagen will: Es ist alles für etwas gut und nur Projekte, die in der Schublade enden, sind ein 100%iger Misserfolg. 

Danke an Scott Young, der mich mit „How To Push Past Your Analysis Paralysis“ doch noch zu einem Beitrag inspiriert.


Monika Kräftner

monika.kraeftner@freiweg.at

Ich bin freiberufliche Texterin und schreibe für Webseiten, Blogs, Social Media Kanäle und Newsletter, bin aber auch in der Offline-Welt zuhause und verfasse Texte für Werbung und PR. Besonders gerne arbeite ich für EPU und Kleinunternehmen, Trainer, Coaches und Therapeuten und alle Unternehmen, die Nachhaltigkeit, Lebensfreude und Genuss in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen.

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